Wie ist die Lage in der Halle?

Am gestrigen Sonntag habe ich mich nicht mit Jackie und Marlene in der Halle getroffen, um die neuesten Informationen und Geschichten abzugreifen. Das hatte einen ganz einfachen, vor allem aber sehr guten Grund: beide hatten am Wochenende frei, um sich von den Anstrengungen der letzten Wochen zu erholen. Einigermaßen erholt und dementsprechend gesprächig haben mich beide begrüßt, als ich dann heute zur Halle gefahren, um die neuesten Entwicklungen zu erfahren.

Die Halle in der Schubertstraße ist leer, die von Dabringhausen nach dort verlegten Flüchtlinge sind in ihre Regelkommunen verlegt worden. Bei der Abreise gab es nochmal viele Tränen und Umarmungen, und besonders viele Dankesworte für die Menschen, die sich in den letzten Wochen um sie gekümmert haben. Jackie hat ihre persönlichen Eindrücke ja schon in einem Gastbeitrag thematisiert. Wahrscheinlich wird die Halle aber nicht lange leer bleiben, die Vorbereitungen laufen.

In der hiesigen Mehrzweckhalle gastieren aktuell knapp 150 Menschen, davon sind etwa zwei Drittel Männer aller Altersstufen und ein Drittel Frauen. Diese Leute sind letzten Dienstag – wie schon die erste Gruppe – aus Dortmund hierhin verlegt worden. Die Menschen kommen aus insgesamt 16 verschiedenen Nationen, was die sprachliche Verständigung etwas schwieriger macht, gerade ein Dolmetscher für Farsi steht nur sporadisch zur Verfügung. Die deutlich größte Gruppe kommt aus Syrien.

Die üblichen medizinischen Tests sind letzte Woche etwas ins Stocken geraten, gerade die Röntgenuntersuchung lief wegen technischer Probleme nicht ganz so reibungslos. Aus diesem Grunde steht vor der Halle aktuell noch eine zusätzliche Absperrung und die DRK-Leute und die Helfer tragen Mundschutz, das ist bis zum Abschluss der Tests die übliche Vorsichtsmaßnahme.

Am Freitag in der Helfer-WhatsApp-Gruppe wurde darüber gewitzelt, wie man den Flüchtlingen denn die hiesige Umstellung von Sommer- auf Winterzeit erklären soll. Vorsichtige Zuversicht wurde geäußert: wer das deutsche Pfand- und Mülltrennungssystem begriffen hat, der wird das auch noch verstehen. Am Sonntag Mittag bildete sich eine Schlange vor der Essensausgabe, das Rollo jedoch blieb verschlossen. Als die Diskussionen begannen, stieg dann ein Security-Mann auf die Leiter und drehte den Zeiger eine Stunde zurück. Und dieser recht pragmatische Ansatz zeigte dann seine Wirkung.

Noch eine kleine Erwähnung zu den medizinischen Untersuchungen: Frauen im gebährfähigen Alter werden selbstverständlich auch auf Schwangerschaft untersucht. Bei einer der Frauen ist dies offensichtlich, der runde Bauch lässt wohl auf den siebten oder achten Monat schließen. Eine jüngere Frau kam mit ihrem Mann heute zum DRK-Team, um wohl darauf hinzuweisen, dass sie seit geraumer Zeit „drüber“ ist. Sie bekam einen Schwangerschaftstest und bekam erklärt, was die zwei lustigen roten Linien auf dem obigen Symbolfoto bedeuten. Und? Wer kennt sich aus?