Karneval in der Mehrzweckhalle


Eigentlich ist der letzte Donnerstag vor dem langen Karnevalswochenende ja der Altweiber-Party vorbehalten. Als ich zum Gespräch mit Katrin und Iman an der Halle auftauchte und die Beiden nicht im Büro vorfand, meldete ich mich am Haupteingang bei der Security und hörte aus dem Innenraum bereits laute Karnevalsmusik. Im Rahmen integrativer Maßnahmen wurden den weiblichem Bewohnern die wichtigsten Grundlagen karnevalistischer Tanztechniken beigebracht, kulturbedingt unter Auschluss der männlichen Bewohner, die sich bewusst abseits hielten.

Die Leitung hat sich dann mit mir ins Büro begeben, um meinen Informationshunger zu stillen. Wie sieht es also zur Zeit in der Halle aus?

Zu den vorhandenen 20 Bewohnern haben sich noch zehn aus der Schuberthalle und etwa 50 Menschen aus anderen Erstaufnahmeeinrichtungen des Bergischen Landes gesellt, so dass im Moment etwa 80 Flüchtlinge untergebracht sind. Die Bewohner wurden mir als sehr ruhig und angenehm geschildert, es handelt sich um sehr viele Familien und wenig Alleinreisende. Die Nationalitäten sind bunt gemischt, das Gros sind aber wieder Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Jüngste Bewohnerin ist ein kleines zwei Wochen altes Baby, welches in der letzten Unterkunft geboren wurde. Eine weitere Frau ist hochschwanger, es könnten also bald zwei Babys sein.

Die Menschen wollen weiter beschäftigt sein, die regelmäßigen Deutschkurse finden unverändert rege Beteiligung. Ein Junge nimmt sogar auf der Sekundarschule am regelmäßigen Deutschunterricht teil. Nach den Deutschkursen findet ein Flüchtlingskaffee statt, welches auch stark frequentiert wird. Da der Karneval ja vor der Tür stand war Sandra mit den Damen im Vorfeld Krapfen backen, sie will weiterhin versuchen, jeden Donnerstag landestypische Speisen zuzubereiten. Da die Verständigung nicht immer leicht ist, wird ICOON für Refugees verwendet, das ist ein Bildwörterbuch als Kommunikationshilfe für Flüchtlinge in Form einer Smartphone-App.

Am letzten Samstag Abend sind an der Dhünner Mehrzweckhalle übrigens zwei große Reisebusse eingetroffen. Die transportierten Mitfahrer waren allerdings auf den ersten Blick als zur einheimischen Bevölkerung zugehörig zu identifizieren, waren doch alle in lustiger Karnevalsverkleidung. Ihnen war offensichtlich entgangen, dass die jährliche Sitzungsparty der Dhünnschen Jecken in diesem Jahr an anderer Stelle stattfindet. Spaß hatten die Busfahrer dann allemal beim rangieren, um dort wieder wegzukommen.

Während des Gesprächs änderte sich die deutlich wahrnehmbare Musik aus der Halle übrigens mehrfach, arabisch-orientalische Klänge mit stampfenden Beats übernahmen teilweise die Beschallung. Als Iman schließlich noch durch den unsachgemäßen Gebrauch eines Papierlochers für einen Konfettiregen sorgte, verabschiedete ich mich unter den akustischen Qualen dieses Kleinods lateinamerikanischer Tanzmusik. Alaaf!

 

One thought on “Karneval in der Mehrzweckhalle

  • 13. Februar 2016 um 15:26
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    Danke für diesen tollen Bericht, es hat mir Spaß gemacht ihn zu lesen.

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