Infoveranstaltung in Dabringhausen

Hinweis vorweg: meine persönlichen Anmerkungen sind in kursiv!

Um 19:00 Uhr fand heute die angekündigte Infoveranstaltung zur Flüchtlingsproblematik in der Mehrzweckhalle Dabringhausen statt. Da die ca. 200 aufgebauten Stühle bei weitem nicht für alle Besucher reichten, wurde ein Lautsprecher ins Freie gestellt, wo sich neben der Halle noch eine ordentliche Schar interessierter Menschen versammelt hatte, insgesamt wohl geschätzte 400 Leute. Anwesend waren außer Bürgermeister Weik von der Stadt Wermelskirchen Frau Dehnen vom Sozialamt, erster Beigeordneter Herr Graef und der technische Beigeordnete Dr. Prusa. Außerdem von der Polizeiwache Wermelskirchen Herr Weilermann und vom DRK Pressesprecherin Frau Küppers und die Leiterin vor Ort, Frau Herzog.

Bürgermeister Weik kam direkt zur Sache, da in Kürze ein dritter Bus erwartet wurde. Er kündigte an, sowohl keine Diskussion über die europäische oder deutsche Flüchtlingspolitik führen zu wollen als auch keine über die Struktur der unterzubringenden Flüchtlinge. Stattdessen wollte man sich auf die Lage vor Ort konzentrieren.

Zur Zeit befinden sich in der Halle ca. 89 Flüchtlinge aus ca. 20 Nationen, die mit zwei Bussen angekommen sind. Weik dankte explizit den Helfern vor Ort, dem THW, dem DRK, der Feuerwehr und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. (Dass er den freiwilligen Helfern nicht explizit dankte, schiebe ich jetzt mal auf die momentane Überarbeitung). Weik bat eindringlich darum, auf jedwege Art von Flüchtlingstourismus zu verzichten. Außerdem ist in seinen Augen auch die Unterbringung in einer Sporthalle nicht gerade menschenwürdig.

Ursprünglich sollte sich die Stadt darauf vorbereiten, im Falle eines Falles innerhalb von 36 Stunden die Unterbringung von Flüchtlingen zu leisten. Laut Weik wurde am späten Mittwoch abend daraus die Aufforderung, bis zum nächsten Abend Plätze zur Verfügung zu stellen. Da bei der Stadt normalerweise um 23:00 Uhr keiner mehr arbeitet, fing man am Donnerstag morgen unter Hochdruck an. Aktuell wird in der Verwaltung viel improvisiert, Weik sprach von geradezu „undeutschen“ Verhältnissen. (Wer den typischen deutschen Beamten kennt, weiß wie er das gemeint hat).

Die Mehrzweckhalle sei zur Unterbringung von Flüchtlingen geradezu ideal, da sie außer der großen Anzahl Duschen und Waschplätzen auch sehr viele Extraräume hat, die für diverse Aktivitäten wie Untersuchungen usw. genutzt werden können. Die Flüchtlingen werden in der Mehrzweckhalle gesundheitlich untersucht und registriert. Diese Registrierung kann vor Ort erfolgen oder in einer Registrierungsstelle, in unserem Fall in der Halle. Nach der Registrierung werden die Flüchtlingen dann irgendwann anderen Städten „zugewiesen“, und zwar nicht zwingend in der Nähe. Ziel sei eine Erstunterbringungsdauer von 14 Tage, zur realen Dauer konnte Weik nur „Keine Ahnung!“ sagen.

Dann durften die anwesenden Bürger Fragen an die anwesenden Personen richten. Auszugsweise nur einige der Fragen und Antworten:

  • Einem Herrn war aufgefallen, dass Leute des DRK an der Tankstelle Zigaretten und Alkohol gekauft hätten und wurde ungehalten angesichts der Vergeudung seiner (und unserer) Steuergelder. Die Dame des DRK wies den Vorwurf der Verschwendung von Steuergelder umgehend zurück und erklärte, dass der DRK auf eigene Kosten eingekauft hat, vor allem zur Behandlung eines schwer Suchtkranken. Ansonsten herrscht strenges Alkoholverbot.
  • Eine Dame lobte die enorme Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und fragte nach einer zentralen Stelle für die Koordination. Weik wies auf die in Kürze geschaltete Rufnummer bei der Stadt hin. Die Nummer +49 2196 710444 ist dann die zentrale Informationsnummer und täglich von 8:30 bis 12:00 Uhr besetzt. (Leichte Kritik muss erlaubt sein, warum im Internetzeitalter nach wie vor auf antiquierte Kommunikationsformen zurückgegriffen wird).
  • Auf die Frage an welchem Ort Spenden abgegeben könnten bat Frau Herzog zuerst einmal keine Spenden mehr vor Ort abzugeben, sondern empfahl die Sachen beim DRK Wermelskirchen in der Berliner Straße 21-23 abzugeben.
  • Die nächste Frage bezog sich auf potentiell ansteckende Krankheiten. Sollte einer der ankommenden oder anwesenden Flüchtlingen wirklich krank sein, dann wird er vom Roten Kreuz schlicht und einfach zur Behandlung zum Arzt oder Krankenhaus gebracht, bis er genesen ist.
  • Weik wurde gefragt, ob es sinnvoll ist, der Stadt Wohungen anzubieten. Dabei unterschied er zwei Fälle. Für der Stadt zugeteilte Menschen, die sich im Asylverfahren befinden werden selbstverständlich auch Wohungen gesucht. Die aktuell aufgenommenen Flüchtlinge werden aber nach ihrer ordentlichen Registrierung anderen Städten zugeteilt. (Weik erwähnte übrigens auch noch, dass die angebotenen Wohnungen doch bitte keine menschenunwürdigen Bruchbuden sein sollten und dass man auf diesem Wege auch nicht trickreich eine Baugenehmigung für ein nicht bebauungsfähiges Grundstück bekommen kann. Offensichtlich muss das jemand probiert haben).
  • Einer Dame war zu Ohren gekommen, dass der Pavillon der Realschule auch als Flüchtlingsunterkunft in Frage käme, obwohl da aktuell auch Schulunterricht stattfindet. Laut Weik ist der Pavillon tatsächlich eine Option, vor allem weil er vom restlichen Schulgelände abtrennbar ist und über eine Küche verfüge. Auf die Frage, wie man denn dann mit den Schulkindern umgehen würde, fiel der wohl entscheidende Satz:

    Wir werden jetzt alle enger zusammenrücken müssen.

  • Ein direkter Anwohner bemerkte in der Straße an der Mehrzweckhalle eine massive Zunahme des Verkehrs (geschätzt 400%) und fragte, ob eine Sperrung der Straße oder eine Einordnung als Spielstraße möglich wäre. Laut Weik wird dies geprüft

Zuletzt erwähnte Weik, dass es zu vielen Themen momentan keine Antworten gäbe und die Stadt deshalb eben improvisieren müsste. Um ca. 19:50 Uhr endete der Infoabend mit einem letzten Dank an die Anwesenden.