Ein Großteil der Flüchtlinge ist transferiert worden

Heute morgen sind vor der Halle fünf große Reisebusse angekommen und haben den Großteil der Bewohner eingesammelt und zu den weiteren Unterkünften in verschiedene Teile der Republik gebracht. 144 Personen haben die Halle verlassen, so dass die Restbelegschaft noch aus 20 Personen besteht. Dabei handelt sich um vier Familien samt Kindern, die aus verschiedenen Gründen noch hier bleiben dürfen, zum Beispiel weil ein Familienmitglied noch im Krankenhaus liegt und behandelt wird oder ähnliches.

Ich war heute zum wöchentlichen Gespräch in der Halle und habe bei einer Tasse Kaffee von der Leiterin Katrin Bever und Stellvertreterin Iman Blume die neuesten Dinge erfahren. Dabei schwang auch eine gehörige Portion Wehmut mit, gab es zwar auch das eine oder andere Mal Ärger, so waren die meisten Bewohner doch sehr nett und der Abschied fällt dann doch schwer.

Da sämtliche Flüchtlinge schon seit einigen Tagen um den Transfer in die Regelunterkünfte (die nicht zwingend besser als die Mehrzweckhalle sein müssen, auch ein Containerdorf oder eine Zeltstadt liegen im Bereich des Möglichen!) wussten, fand gestern abend unter den Bewohnern eine Art improvisierte Abschiedsparty statt. Die Leute standen im Kreis und haben getanzt und gesungen. Selbst als das Licht in der Halle automatisch um 22:00 Uhr gelöscht wurde, wurde im Schein der eingeschalteten Handyleuchten weitergefeiert. Ein versöhnlicher Ausklang, vor allem da auch die Leute, die sich untereinander nicht grün waren, friedlich mitgemacht haben.

Eine schöne Geste: ein Ehepaar aus der Halle hatte sich wohl auch mit einem Ehepaar aus der unmittelbaren Umgebung angefreundet. Zum Abschied wurde ein großer Strauß Rosen überreicht und soweit möglich die Kontaktdaten ausgetauscht.

Für Katrin und Iman war diese Gruppe die erste, die sie seit dem Abschied von Jaqueline Herzog und Marlene Auer alleine betreuen musste. Dabei ist zwar wohl nicht alles ganz glatt gegangen, aber es gab wohl schon eine Teambesprechung, in der diese Sachen angesprochen wurden und in der man sich auch einiges zu zukünftigen Aktivitäten der Bewohner einfallen ließ. Die Leute wollen beschäftigt werden, vor allem die stark frequentierten Deutschkurse laufen soweit möglich ohne Unterbrechnung weiter. Viele der Flüchtlinge haben sich im Alltag bemüht, die (auswendig-)gelernten deutschen Sätze im Alltag anzubringen. Da werden kurze Ansagen der DRKler schon mal mit einem „Du bist immer lieb zu mir!“ oder „Du bist schön!“ quittiert. „Kann ich ein Brötchen haben?“ – „Bitte!“ (um darauf hinzuweisen, dass es doch höflicher ist, dieses Wort in der Anfrage zu benutzen). Antwort: „Danke!“ Es wird schon…

Katrin und Iman erwähnten ausdrücklich die Unmengen an gespendeten Koffern und Taschen, in denen die Flüchtlinge bei der Abreise ihre Sachen zum Transport verpackt haben. Woher Steffi Benscheidt, die Leiterin der Kleiderkammer in der Mehrzweckhalle, diese Mengen auch immer aufgetrieben hat, die Leitung möchte sich auf jeden Fall ausdrücklich dafür bedanken, sowohl bei Steffi als auch bei den Spendern.

Ich möchte diesen Beitrag mit einem sehr positiven Beispiel für gelungene Integrationsbemühungen beenden: als die erste Gruppe Flüchtlinge im Oktober die Mehrzweckhalle verließ, ist eine Familie mit mehreren Kinder zur Regelunterbringung nach Wermelskirchen gekommen. Seither bemüht sie sich aktiv um Integration. Die Kinder besuchen täglich mehrere verschiedene angebotene Deutschkurse und sprechen für die kurze Zeit wohl schon sehr verständliches Deutsch. Als ein Wermelskirchener Ehepaar die Wohnung bzw. den Haushalt der verstorbenen Eltern aufgelöst hat, hatte besagte Familie die Gelegenheit, an einen Großteil einer Wohnungseinrichtung zu kommen. Zum Dank lud die Familie das Ehepaar zu einem opulenten Mahl in ihrer Wohnung ein. Man unterhielt sich nett (teilweise auch mit Händen und Füßen) und verbrachte wohl einen tollen Abend. Laut eigenem Bekunden will sich die Familie hier eine Existenz aufbauen, auch um im Falle einer möglichen Rückkehr in ihr Heimatland nicht mit leeren Händen zurückkehren zu müssen.