Das wöchentliche Donnerstagsgespräch…

…fand diesmal schon Dienstag statt. Katrin und Iman hatten etwas Zeit und ich war in der Halle, um dort mal das Neueste zu erfahren.

Wie in einem der letzten Beiträge schon geschrieben ist ein kleines hübsches Mädchen afghanischer Abstammung zur Welt gekommen, leider nicht mehr in Wermelskirchen, sondern in Remscheid. Wie es in der afghanischen Kultur wohl üblich ist, wurden dem zwei Tage alten Kind mit Kajal (vermutlich, ein Edding war es jedenfalls nicht) die Augen und Augenbrauen nachgezeichnet. Ich habe ein Photo gesehen und es sieht für meine westlichen Augen schreiend witzig aus. 

Sämtliche Bewohner wurde mittlerweile erkennungsdienstlich erfasst und verfügen über den neuen Ankunftsnachweis. Man muss aber auch konstatieren, dass sich der Großteil der Menschen jetzt schon seit dem 25. Januar in der Halle befindet und ihnen wirklich die Decke auf den Kopf fällt. Das sorgt immer mal wieder für Unmut und Streitereien. Die Flüchtlinge möchten auch gerne öfters die Halle verlassen, um Freunde und Bekannte in anderen Teilen der Republik zu treffen, und zwar nicht nur für ein paar Stunden, sondern auch über mehrere Tage. Das ist so aber wegen der Residenzpflicht nicht möglich und muss genau mit der DRK-Leitung abgesprochen werden.

Die Flüchtlingskinder, die die am Unterricht der Grundschule teilnehmen dürfen, haben Klassenkameraden zu einem Spielenachmittag eingeladen. Neun Dabringhauser Kinder sind in der Halle erschienen, die Kinder haben unter Aufsicht ihrer Eltern mit ihren neuen Schulkameraden gespielt, während die Erwachsenen den üblichen Kaffeeklatsch veranstaltet haben.

Maria vom DRK hat in der WhatsApp-Helfergruppe mitgeteilt, dass sich für die sechs Vorschulkinder der städtische Kindergarten bereit erklärt hat, diese an den fünf Werktagen von 14 bis 16 Uhr an den Spiel- und Bewegungsangeboten teilnehmen zu lassen. Dazu ist eine deutschsprachige Person zusätzlich vor Ort notwendig, der DRK kann dazu aber niemanden aus der Halle abstellen. Sollte jemand dazu gesucht werden, werde ich das an dieser Stelle kundtun.

Die jugendlichen Bewohner nehmen freitags abends wohl mittlerweile verstärkt am Underground teil, einem offenen Treff der evangelischen Kirchengemeinde hier im Dorf. Auch sie sind für jede Abwechslung dankbar.

Speziell für die Frauen wurde an einem der letzten Wochenenden ein Kinoabend veranstaltet. Es wurde Burlesque gezeigt, und zwar in türkischer Sprache mit arabischen Untertiteln. Wer den Film kennt, weiß auch, dass er Lust auf Tanzen macht. Die Damen des DRK haben deshalb ebenfalls mit den Frauen einen Tanzkurs durchgeführt. Wenn man den Hintergrund kennt, dass in Syrien für Frauen das Tanzen schlicht und einfach verboten war, dann kann man sich die Freude vorstellen, nach fünf Jahren endlich wieder das Tanzbein zu schwingen. Überhaupt würden die Frauen gerne wesentlich mehr Sport treiben. Vielleicht findet sich ja eine freiwillige (junge) Frau, die das gerne in die Hand nehmen würde und mit den Flüchtlingsfrauen regelmäßig ein kleines Sportprogramm durchziehen kann.

Wer die lokale Presse verfolgt, hat sicher zur Kenntnis genommen, dass der VVV am vorletzten Wochenende zum wiederholten Male die Aktion „Saubere Stadt“ durchgeführt hat. Der Dabringhauser Ableger des VVV konnte nicht nur mit 50 Personen eine lange nicht mehr dagewesene Teilnehmerzahl verbuchen, es haben sich vor allem auch Flüchtlinge aus der Halle daran beteiligt, die Umgebung von Unrat zu beseitigen. Ein Teil der hiesigen Bevölkerung kann sich also gepflegt mal selber an die Nase fassen. Offensichtlich sind sich diese Flüchtlinge nicht zu fein, zusammen mit den Freiwilligen aus der Bevölkerung den Dreck der Verursacher zu entfernen.

Übrigens ist Stefanie aus der Kleidungskammer noch die Idee gekommen, den Bewohnern als weitere Freizeitaktivität Tischtennis anzubieten. Sollte jemand eine funktionsfähige Tischtennisplatte haben, die er loswerden will, so würde ich zumindest mal die Leitung in der Halle kontaktieren. Eventuell tun es ja auch eine größere Anzahl Schläger und Tischtennisbälle, um im Dorfpark Rundlauf zu spielen.

Die Leute des DRK in der Mehrzweckhalle sind ja in besonderem Maße für die Gesundheit der Bewohner verantwortlich. Ich war etwa anderthalb Stunden im Büro der Leitung. Was allein in dieser Zeit an mehr oder weniger kleinen und großen medizinischen Aufgaben angefallen ist, ist schon interessant. Termine bei den hiesigen Ärzten müssen koordiniert werden, die Medikation verschiedener Bewohner muss im Auge behalten werden, kleine Wunden versorgt werden – besonders bei den jüngeren Bewohnern – und auch schon mal psychologische Hilfestellung geleistet werden. Was in diesem Zusammenhang wirklich problematisch zu sein scheint, ist die Versorgung der Bewohner, die eine Sehhilfe benötigen, z.B. weil ihre Brille auf der Reise beschädigt wurde oder ganz verlustig gegangen ist. Ich trage ja selber dicke Glasbausteine und weiß um die Einschränkungen, die mit einer fehlenden Sehhilfe einher gehen. Vielleicht hat ein Leser dieser Zeilen ja eine Idee, wie man zumindest die Sehstärke der Betroffenen feststellen könnte und Ihnen zu einer mehr oder weniger passenden Brille verhelfen kann. Ich denke mal, jeder Brillenträger hat eine Handvoll alter Nasenfahrräder in der Schublade, die man zur Verfügung stellen könnte – wenn die Sehstärke stimmt. Kennt jemand einen mobilen Optiker…?

Wie es mit der Dabringhauser Mehrzweckhalle weitergeht, ist nur grob zu sagen. Die Erstaufnahme soll mit Stichtag zum 31. Juli enden, dass heißt aber noch nicht, dass sie danach wieder zur normalen Nutzung zur Verfügung steht. Wenigstens in der Schuberthalle kann wohl ab dem 1. Mai wieder Schulsport stattfinden.

One thought on “Das wöchentliche Donnerstagsgespräch…

  • 3. Mai 2016 um 12:26
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    Schöne Übersicht. Allerdings eine kleine Korrektur: Das Tanzen ist in Syrien für Frauen nicht verboten!! In Damascus, Aleppo und Homs gibt es Discotheken wo auch westliche Popmusik gespielt wird. Möglichweise gibt es aber ein Tanzverbot für Frauen in den Gebieten die von der islamistischen Opposition gehalten werden…

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